• Lars Reckermann

Campen mit Hindernissen

Aktualisiert: Jan 14



Ich erinnere mich da an einen Campingurlaub an der Atlantikküste Frankreichs Anfang der 90er Jahre. Wir waren mit Freunden unterwegs. Meine damalige Freundin und heutige Frau und ich teilten uns ein Zelt, ein weiteres Pärchen war noch in einem eigenen Zelt untergebracht und drei Freunde von uns bezogen Quartier, ebenfalls in einem eigenen Zelt. Zwei oder drei Wochen wollten wir bleiben, es wurde aber nur eine.


Nach nur wenigen Tagen braute sich über dem Atlantik ein Unwetter zusammen. Nun bin ich in solchen Dingen eine richtige Schissbuxe. Ich hatte aber auch allen Grund dazu. Jeder, aber auch wirklich jeder Camper auf dem Platz traf Vorbereitungen für das drohende Armageddon.


Ich pumpte erst einmal so viel Imprägnierflüssigkeit auf die Wände unseres Steilwandzeltes, dass das Ding selbst den Untergang Atlantis trocken überlebt hätte. Außerdem sicherte ich mein klappbares Haus mit so dicken Sturmheringen, dass ich eigentlich jedem Tornado kaltlächelnd hätte entgegentreten können. Zu guter Letzt zog ich noch ein kleines Grabensystem ums Zelt, damit die eventuell von der Zeltwand herunterstürzenden Fluten vernünftig abfließen konnten.


Ich gebe zu, mit wildem Abenteuer hatte das nichts mehr zu tun. Für diese Sparte waren unsere Mitreisenden zuständig. Die Jungs - Spinne, Maka und Chico - zogen eine Dose Bier nach der anderen auf und bewarfen mich noch mit ihren Sturmheringen, das andere Paar - Tucki und John - fröhnte der Leselust. Selbst als die Dauercamper ihre Fernsehantennen einknickten und am Wohnwagen noch einmal die Handbremsen nachzogen, blieben meine Freunde ganz cool.


Ein Zelt wie eine Wand (blau, meines) und ein Zelt wie ein ... na ja, man sieht es ja.

Dann ging alles blitzschnell. Hagel, Dauerregen - ein unglaublicher Sturm fegte über unseren Platz. Spinne, Chico und Maka beteten in ihrem Zelt, dass allmählich absoff. Die ersten Schuhe schwammen aus dem Zelt. Bei mir lief nur das Grabensystem über, das ich todesmutig trotz Sturm erweiterte. Das Zelt von John und Tucki war bereits tags zuvor zusammengesackt und bekam nun seinen Rest.

Es war die Hölle. Alles war zerstört. Nur ein Zelt stand wie in Beton gegossen: meins. Zwei Nächte blieben wir noch auf dem Campingplatz. Unsere Freunde schliefen in ihren Autos. Eines Morgens hörte ich die Verschwörer-Gemeinschaft leise flüstern, in der kommenden Nacht würden sie am liebsten unser „Spießerzelt“ aufschlitzen. Wir fuhren sofort ab und entgingen so unserem Meuchelmord.



#Campen #Zelten #Halbzeitbiografie

Reichen eigentlich 49 Jahre, na gut, fast 50 Lebensjahre aus, um eine Halbzeitbiografie zu schreiben? Ich denke, es hat sich eine Menge Kurioses, Schönes, Nachdenkliches und Lustiges angesammelt. Bis zu meinem 50. Geburtstag schreibe ich einige Erinnerungen hier einfach einmal nieder. Will doch keiner lesen? Ja Gott, dann lasst es. Wen es interessiert ... willkommen in meiner Welt.

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