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LARS RECKERMANN

Muss man mögen

Hier gibt es Geschichten und Tresenabenteuer. Alles subjektiv, alles Geschmackssache.

Musse ma gemacht haben
 
 
 
 

ÜBER MICH

Journalist, leidenschaftlicher Lokalreporter, Allround-Dilettant :-) Immer neugierig - und überzeugter Kneipengänger und Stammtisch-Lauscher. Nach dem Studium direkt zur Zeitung und dort auch immer geblieben. Zuhörer, Beobachter und Aufschreiber.

 
 

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Lars Reckermann

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Lars Reckermann

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  • Lars Reckermann

Am Tresen mit einem Verschwörungstheoretiker



Gertrud hängt immer montags ihre Wochenöffnungszeiten in die Eingangstür. In dieser Woche hat sie Dienstag, Mittwoch und Freitag geöffnet. Mittwoch ist ein guter Tag für einen Besuch bei ihr. Wochen-Bergfest, der Freitag und das Wochenende in Sichtweite. Der Jäger-Stammtisch hat dieses Mal am Ecktisch Platz genommen. Bestellen muss keiner der Herren etwas. Gertrud weiß, was jeder trinkt und bringt es ohne Bestellung. „Machst Du mir auch ein Pils?“, frage ich. „Ein Kleines?“, fragt Gertrud zurück. „Nee, mach ruhig groß.“


Obwohl der Bereich zwischen Eingangstür und Schankraum nicht einmal einen Quadratmeter groß ist, reagiert eine Lichtschranke mit einem Klingelton, wenn die Tür geöffnet wird und ein neuer Gast hereinkommt. Die Tür geht auf, es klingelt, ein Mann, Mitte 40, betritt Gertruds Kneipe. Er sieht mich am Tresen und steuert direkt auf den Barhocker links neben mir zu. Ich begrüße ihn mit einem kurzen „Moin“ und nicke ihm zu. „Sie sind diese Greta-Nachahmung, richtig?“ Ich lache. „Nein, das war ein Scherz, ich …“. Weiter komme ich nicht.


„Sie sind also einer dieser Jünger, die glauben, dass hier in zwei Jahren die Holländer angeschwemmt werden.“ Die beißende Tonart, mit der er den Satz ausspricht und die stechenden Blicke, die nicht von meinen Augen ablassen, machen mir etwas Angst. „Nein, hören Sie … Es gab dieses Bild von Greta Thunberg in dem vollbesetzten Intercity; ich fand es witzig und habe es quasi nachgestellt, um etwas auf mich aufmerksam zu machen.“ Der Mann rückt mit seinem Barhocker näher an meinen heran. Gertrud fragt ihn, ob er etwas trinken möchte. „Hier trinke ich nichts. Ratsfatz habe ich K.o.-Tropfen intus und werde hier im Moor versenkt.“ Gertrud lacht ihn an. „Sind Sie einer der Freunde von Lars?“ Ich schüttel eifrig den Kopf. „Nein, Gertrud, diesen Mann kenne ich nicht.“ „Aber ich kenne Euch“, sagt mein Sitznachbar. „Ihr steckt doch alle unter einer Decke. Die Windrad-Industrie, die Veggie-Aktion der Rügenwälder-Mühle, dieses Saufen für den Regenwald dank Krombacher … ihr alle denkt, wir merken nicht, was hier läuft.“


Es ist fantastisch. Ich muss ihm zuhören. Das ist dieses Unfall-Syndrom. Ich kann, statt nicht wegzusehen, nicht weghören. Der Mann redet sich unglaublich in Rage. Die Wörter schleudert er mir wie einen nassen Lappen entgegen. „Was habt Ihr schon …, hey, hör zu, was habt Ihr hier schon? Moor und flaches Land, da kommt der Klimawahnsinn ja genau richtig. Hier hat doch jeder eine Windrad-Genehmigung für seine Gartenparzelle.“ Ich melde mich, um auch einmal etwas sagen zu dürfen und unterbreche ihn. „Hier gibt es mehr Bürgerinitiativen gegen Windräder als Windräder …“

„Hör auf …“. Wir sind also schon beim Du. „Diese kleine Kneipe hier, an dieser unscheinbaren Durchgangsstraße im Ammerland, ist die Keimzelle des Öko-Wahnsinns“, sagt der Mann fauchend. Ich muss lachen. „Die Kneipe hat einen Dämmwert wie ein Bikini im Iglu. Es gibt sogar einen Heizpilz in der Scheune“, sage ich. „Noch“, sagt Gertrud schnell. „Der kommt aber bald weg.“ Der Mann ist nicht mehr zu bremsen. „Wer von Euch hat denn die Zaunmanufaktur?“, fragt er in die Runde und dreht sich zu den vier Stammtischlern. „Ich weiß, wieso ihr den Wolf hier wieder ausgesetzt habt. 100 Prozent Förderung für neue Schutzzäune. Ihr verdient Euch dumm und dämlich mit den Schutzzäunen.“

„Nee, ist klar“, sage ich. „Ich habe mein Geld auch in Schafswoll-Socken investiert. Der Stoff wird ja bald extrem selten sein. Wenn die Wölfe erst einmal die Deiche leergefressen haben …“

„Ich wusste es“, schreit der Mann. „Sie streiten es ja nicht einmal ab.“ Wir sind also wieder beim Sie.

„Ich mache auch in Gummistiefeln und kreiere Protestplakate für die Friday-for-Future-Bewegung“, reize ich ihn weiter. „Das ist ja aktuell ein Mega-Markt.“ Ich zeige auf einen Jäger: „Hier, der Herr hier vorne, stellt Minimotoren für die E-Tretroller her und sein Nachbar Tretroller.“ Mein Barhocker-Nachbar wird kreidebleich. Er schwankt, trunken und fassungslos von der Beichte. „Und hier … Gertrud …, sie bildet in ihrer Scheune Gondoliere aus. Das Ammerland ist ja prädestiniert als zweites Venedig.“


Der Mann steht auf. Schweißperlen haben sich auf seiner Stirn gesammelt. Ich will von ihm noch wissen, wie er auf uns gekommen ist, was uns verraten hat, wieso er all das weiß, was wir seit Jahren versuchen zu verheimlichen.

„Die Eckkneipe ist tot, das weiß doch jeder. Nur diese hier, an dieser gottverlassenen Straße soll laufen. Dann das Greta-Imitat-Foto …“ Ein Jäger mischt sich ein. „Ich habe Dir gesagt Lars, dass das zu viel war und Du mit unserer Tarnung spielst. Es war nur eine Frage der Zeit, bis hier einer auftaucht und unangenehme Fragen stellt.“ Der Mann schaut nun abwechselnd zu mir und zu den Jägern. Seine Augen hat er zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen, der Schweiß tropft in seine Augen und brennt. „Ich wusste es, ich wusste es“, sagt er. Er spuckt seine Worte förmlich auf den Tresen. Weißer Schaum hat sich in den Mundwinkeln gebildet. Dann fällt ein Schuss. Gedärme fliegen in Richtung Sparclub-Kasten und auf die direkt daneben aufgehängte Boßeltabelle. Ich bekomme direkt die Hälfte ab und sehe aus, wie die letzten zehn Minuten eines Tarantino-Films. „Oh Mann“, rufe ich dem Schützen entgegen. „Schau Dir mal diese Schweinerei an.“ Ich wische mir zerfaserte Körperteile aus dem Gesicht. Der Schütze holt seinen Lieferwagen, den er für seine neue Zaunmanufaktur gekauft hat. Jäger 2 lässt erst einmal sein Wolfsrudel an dem Leichnam laben. „Esst Euch satt“ sagt. Gertrud packt ihren Damenrevolver wieder unter den Tresen. Das hat sich ja nun erledigt. „Ich hole mal einen Wischmob“, sagt sie. „Ich helfe Dir“, sage ich. „Du hast ja sicherlich ein paar Gummistiefel für mich.“ Gertrud nickt. „In der Scheune. Such Dir eine passende Größe und Farbe aus. Die Kisten mit den Gummistiefeln liegen hinter denen mit den Gondoliere-Hüten.“



"Am Tresen mit ..." sind fiktive Geschichten. Nicht alle Gesprächspartner saßen neben mir, also nicht nüchtern ... nicht immer ... egal.