• Lars Reckermann

Die kleine Kneipe

Aktualisiert: Jan 6


Lars Reckermann und Claus Hock sammeln in der Dorfkneipe "Dorfkrug" in Specken Trinkgelder für die durch Corona geschlossene Gaststätte.
Claus Hock dieses Mal vor der Kamera und ich im Dorfkrug bei Gertrud in Specken. Foto: Claus Hock


Auf diese Idee sind mein Kollege Claus Hock und ich schon etwas stolz. Als Corona den Zapfhahn hochdrehte und die Gläser in der Kneipenvitrine leer ließ, überlegten wir uns, wie wir der nun seelenlose, weil gästefreien Eckkneipe helfen können. Wir sprechen von echten Eckkneipen, von schicksalsträchtigen Barhockern, von Pilskrone ohne Chichi, von kilogrammschweren Aschenbechern und einem Bifi-Karton im Regal als Nahrungsgrundlage. Wir sprechen von Gaststuben, in denen gelacht wird, wir sprechen vom Zufluchtsort des kleinen Mannes und längst auch der selbstbewussten Frau.


Was tun? Wie den Kontakt zur Kneipe halten und der Wirtin oder dem Wirt einen Gruß senden? Wir erfanden das „virtuelle Trinkgeld“. Wir setzten auf die enge Verbundenheit des Stammgastes zu seinem Stammtisch. Eine Stunde lang setzte ich mich in die Kneipe und trank Bier (es waren am Ende drei Bier, was mir die Zuschauermeute als Schwäche ausgelegt hat). Claus übernahm den Part des Kamera- und Tonmannes (durfte auch trinken) und ich gab den Anchorman. Wir ließen die eine Stunde über Facebook-Live laufen und machten zwei Tage vorher Werbung für den „Dorfkrug“, meiner Stammkneipe in Bad Zwischenahn.


Was wollten wir erreichen? Jeder Zuschauer sollte sich mit mir ein Bierchen trinken und 50 Cent Trinkgeld geben. Eine kleine Geste, mehr nicht. Claus hatte die Idee, noch Spielchen einzubauen. Wenn ich etwa das Lied „Die kleine Kneipe“ von Peter Alexander singen sollte, mussten mindestens zwei Euro gespendet werden (fürs Aufhören drei 😉). Ihr wolltet schon immer einmal sehen, wie es hinter dem Tresen aussieht und was sich in der Schublade verbirgt? Spendet einen Euro. So lautete unser Plan, um an möglichst viel Trinkgeld zu kommen. Da wir über Facebook gestreamt haben, musste ich Peter Alexanders Hymne an die Kneipe quasi als solo singen. Facebook hätte uns sonst den Kanal gesperrt oder zumindest unterbrochen.




Ich eröffnete über Paypal ein MoneyPool-Konto, auf dem Zuschauer direkt ihr Trinkgeld einzahlen konnten. Unser ambitioniertes Ziel: wir wollten meiner Wirtin Gertrud nach der Stunde mindestens 50 bis 75 Euro Trinkgeld auf den Tresen legen. Wir bewegten uns natürlich in einer spitzen Zielgruppe. Freunde von uns und Stammgäste von Gertrud schauten zu, diskutierten und spendierten ein Trinkgeld. In Spitzenzeiten hatten wir 60 Zuschauer gleichzeitig – für uns ein toller Erfolg. Das Bier hatte ich natürlich mitgebracht, auch die Gläser - nach den 60 Minuten wurde alles desinfiziert.


Übertrumpft wurde alles von der Spendenbereitschaft der Eckkneipen-Freunde. 615 (!) Euro konnte ich am nächsten Tag Gertrud in die Hand drücken. Die kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Natürlich habe ich auch diese Übergabe im Video festgehalten.


Was braucht es fürs virtuelle Trinkgeld? Ein Handy, ein Mikrofon, eventuell ein Stativ oder einen Claus 😉, WLAN (am besten vom Wirt), ein paar Spiele-Ideen und eine Stunde Zeit am Abend. Prost!



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