• Lars Reckermann

Liegengelassene Schuhe

Aktualisiert: Jan 14



Als Kind, das in den 70er Jahren geboren wurde, wurde mir der Markenwahn praktisch in die Wiege gelegt. Spätestens auf der weiterführenden Schule waren Marken-Schuhe Pflicht. Das hatten die meisten Menschen auch mitbekommen - nur meine Mama nicht. Die kaufte mir, ungelogen, zweimal weiße Turnschuhe der Marke Alba, mit denen man zumindest auf meiner nicht in die Raucherecke eingeladen wurde, wo nur die Coolen standen.


„Ja", sagen Sie jetzt bestimmt, „was lassen Sie sich auch vor den Kommerz-Karren spannen". Hallo…?! Ich war zwölf und buhlte um Anerkennung. Ich gehörte mit meiner Sportart Tischtennis schon zur Randgruppe. Ich konnte mir den Zorn von 98 Prozent aller Schüler auf jeden Fall nicht leisten.


Ich ließ deshalb die Schuhe zweimal in der Schule liegen und log meine Mama an, sie seien mir geklaut worden. Meine Mutter regte sich noch monatelang darüber auf, dass die billigen No-Name-Schuhe gestohlen wurden, meine teuren Nike-Schuhe, zu denen ich sie dann überreden konnte, aber nicht das Interesse von Langfingern fanden.


Beinahe wäre übrigens meine Tarnung aufgeflogen. Auf einem Schulbasar wurden liegengelassene oder vergessene und nicht abgeholte Dinge versteigert. In dem Berg von Regenschirmen und Turnbeuteln lagen auch zwei Paar weiße Alba-Schuhe. Meine Mutter wunderte sich noch, dass jemand so schöne Schuhe einfach liegen lässt. „Ja, ja", sagte ich, „und mir werden sie gestohlen". Ach Mama…


#Halbzeitbiografie #Tagebuch #Reckermann

Reichen eigentlich 49 Jahre, na gut, fast 50 Lebensjahre aus, um eine Halbzeitbiografie zu schreiben? Ich denke, es hat sich eine Menge Kurioses, Schönes, Nachdenkliches und Lustiges angesammelt. Bis zu meinem 50. Geburtstag schreibe ich einige Erinnerungen hier einfach einmal nieder. Will doch keiner lesen? Ja Gott, dann lasst es. Wen es interessiert ... willkommen in meiner Welt.

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