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LARS RECKERMANN

Muss man mögen

Hier gibt es Geschichten und Tresenabenteuer. Alles subjektiv, alles Geschmackssache.

Musse ma gemacht haben
 
 
 
 

ÜBER MICH

Journalist, leidenschaftlicher Lokalreporter, Allround-Dilettant :-) Immer neugierig - und überzeugter Kneipengänger und Stammtisch-Lauscher. Nach dem Studium direkt zur Zeitung und dort auch immer geblieben. Zuhörer, Beobachter und Aufschreiber.

 
 

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Lars Reckermann

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  • Lars Reckermann

Daumennuckler und mein erstes gelesenes Wort

Aktualisiert: Jan 14

Wissen Sie, woran ich mich noch genau erinnern kann? An mein erstes wirklich selbst gelesenes Wort. Ich habe auch noch genau die Szene vor mir. Ich sitze wippend in der Klasse 1b der Nordschule Holzwickede und habe den Daumen im Mund. Ich habe wirklich lange am Daumen genuckelt. Und wenn ich lange schreiben, meine ich auch lange.

Ich habe völlig geträumt, als mich meine Lehrerin aus dem Tagschlaf riss und „Lars“, rief. Ich kippte daraufhin mit dem Stuhl um und konnte mich nur mit einer Hand abstützen, weil ich die andere ja teilweise im Mund hatte.


Schon im zarten Alter von sechs Jahren wusste ich, dass ich fortan geliefert sein würde. Kinder können bekanntlich gemein sein. Kinder, die ein anderes Kind in einer solch’ peinlichen und hilflosen Situation vorfinden, sind noch gemeiner. Ich wurde knallrot und die gesamte Klasse lachte mich aus. Selbst mein bester Freund zeigte mit dem Finger auf mich. Das war’s. Abhauen, wegziehen, neuer Name, völlig neue Identität – mir gingen tausend Dinge durch den Kopf. Meine Lehrerin schaffte es, die Klasse zu beruhigen. Ob ich das Wort von der Tafel vorlesen könnte, fragte sie mich.


Ich glaube, es war eine göttliche Eingebung oder meine Beschütz-mich-Fee schenkte mir einen wachen Augenblick. Ich las auf jeden Fall laut und deutlich das Wort „I-N-D-I-A-N-E-R“ vor. Ohne Hilfestellung, ohne zu stottern, fast schon zu lässig verließen die amerikanischen Ureinwohner meine Lippen. Die Klasse verstummte. „Indianer“, sagte ich noch einmal schnell. Meine Lehrerin lobte mich über den grünen Klee und die Stuhl- und Daumennummer war vergessen. Fortan hieß ich für Wochen „Indianer“ in der Schule. Zum Glück hatten wir Lesen und nicht Rechnen an diesem Tag. Ich würde sonst wohl heute noch „Daumennuckler“ heißen.


Reichen eigentlich 49 Jahre, na gut, fast 50 Lebensjahre aus, um eine Halbzeitbiografie zu schreiben? Ich denke, es hat sich eine Menge Kurioses, Schönes, Nachdenkliches und Lustiges angesammelt. Bis zu meinem 50. Geburtstag schreibe ich einige Erinnerungen hier einfach einmal nieder. Will doch keiner lesen? Ja Gott, dann lasst es. Wen es interessiert ... willkommen in meiner Welt.

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