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LARS RECKERMANN

Muss man mögen

Hier gibt es Geschichten und Tresenabenteuer. Alles subjektiv, alles Geschmackssache.

Musse ma gemacht haben
 
 
 
 

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Journalist, leidenschaftlicher Lokalreporter, Allround-Dilettant :-) Immer neugierig - und überzeugter Kneipengänger und Stammtisch-Lauscher. Nach dem Studium direkt zur Zeitung und dort auch immer geblieben. Zuhörer, Beobachter und Aufschreiber.

 
 

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Lars Reckermann

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Fünf Freunde im Wilden Westen (Teil II)


Auf der Anzeigetafel steht unser Film: Fünf Freunde im Wilden Westen.

Auf unseren 5-Freunde-Touren haben wir schon sehr viel erlebt. Besonders stolz bin ich auf die Tour zum Buchstaben L. Das Ziel war Las Vegas. Da Las Vegas für ein Kurz-Wochenende schon im Zeitalter vor der Fridays-for-future-Bewegung bei uns Jungs Flugscham ausgelöst hätte, entschieden wir uns, zehn Tage durch den Westen der USA zu reisen. Gestartet sind wir in Los Angeles. Wir fuhren den Highway No.1 entlang, sahen San Francisco, den Grand Canyon, Nationalparks und natürlich die Sündenstadt Las Vegas.

Ganz besonders stolz, bin ich indes auf unsere M-Tour. Es ging nach Münster, aber irgendwie ging es auch noch einmal in die USA. Das kam so:


Für unsere M-Tour wollte ich mir etwas Besonderes ausdenken. Wir fuhren am 31. August 2013 nach Münster, im März 2013 waren wir in den Staaten. Für mich war es das letzte Wochenende in Nordrhein-Westfalen. Am Montag zogen wir nach Baden-Württemberg. Deshalb war uns klar, dass dieses Jungs-Wochenende sehr emotional werden würde. Eigentlich habe ich bei jeder Fahrt immer eine Überraschung parat. Ich erwähnte schon in meinem ersten Blog-Teil über unsere 5-Freunde-Touren, dass wir einen Segway-Führerschein gemacht haben, uns im Paintball gemessen haben oder im Rafting-Boot über die Isar fuhren. Münster sollte das aber toppen. Da wir von der USA-Reise unglaublich viele Fotos und kleine Videoschnispel hatten, habe ich einmal alles zusammengeschnitten und daraus einen Videofilm gemacht. Zusammengeschnitten, vertont und mit Musik untermalt, hatte der Streifen mit drei Stunden und fünfzehn Minuten eine beachtliche Überlänge. Ein absolutes Amateurmachwerk, aber das war ja egal. Was aber tun mit diesem Film?


An der Warendorfer Straße in Münster wurde ich fündig. Dort gibt es mit der Hausnummer 45-47 das unglaublich urige Programmkino namens Cinema Filmtheater. Das Kino mit integriertem Kneipencafé verkauft auch die teuerste Kinokarte. 140 Euro kostet die Karte. Dafür mietet man quasi das gesamte Kino und kann sich einen Film seiner Wahl anschauen. Das war es. Ich wollte die Jungs mit unserem Film überraschen. Ich kaufte mir Westernmusik und eine Westernschriftart, motzte den Film noch etwas auf, um zumindest den Hauch von Professionalität vorzugaukeln und schnitt so etwas wie ein kurzes Opening in den Film. Allerdings stand ich vor zwei Problemen. Die Kinokarte gilt für einen Film mit üblicher Spielfilmlänge, also maximal zwei Stunden. Zudem werden die Filme nur nachmittags oder abends gezeigt.


Mein Film war doppelt so lang, und eine Uhrzeit nach 10 Uhr kam für uns nicht infrage. Wir treffen uns meist morgens und gehen dann direkt in einen gepflegten Gedankenaustausch mit einem gepflegten Pils. Da dieses das Wochenende werden würde, in dem ich mich quasi aus meiner Heimat verabschieden würde, sollte der Film früh gezeigt werden. Ich wollte ja die volle Aufmerksamkeit meiner Freunde haben. Zum Nachmittag, so meine Berechnung, waren wir vermutlich bereits in Phase 3 unserer Herrentouren, in der so genannten Harald-Juhnke-Definition-von-Glück-Phase: „Keine Termine und leicht einen sitzen.“


Also schrieb ich das Kino an und fragte nach, ob wir auch schon morgens den Film anschauen könnten. Wir würde auch alle Getränke direkt im Kino kaufen. Das Kino hatte mir nämlich angeboten, Getränke selbst mitzubringen. Da wir Überlänge hatten, legte ich noch einmal 40 Euro drauf. Ich versprach auch, dass wir mehr als ein Bier trinken würden. Nie war ich mir jemals wieder bei einer Sache so sicher.


Es war völlig unkompliziert. „Lustige Idee“, hörte ich. Das machen wir. Den Film hatte ich auf zwei CDs gebrannt und dem Kino zuvor schon zugeschickt. Ich wollte eben auf Nummer sicher gehen. Wir einigten uns noch, nach 90 Minuten eine kurze Pause einzulegen, damit die CD gewechselt werden konnte.


Meine Freunde wussten nichts von unserem Film, gar nichts. Wie immer auf unseren Reisen, trafen wir uns an einem zuvor mitgeteilten Treffpunkt. Dieses Mal war es der Bahnhof in Holzwickede. Wohin die Reise ging, wusste niemand. Das wissen die Jungs eigentlich nie. Es interessiert sie auch nicht. Bis auf eine Reise habe ich bislang alle organisiert.


In Münster waren wir oft. Wann immer wir mit dem Zug fuhren, trafen wir uns in Münster. Mein Freund Lise wohnt in Papenburg. Münster war so etwas wie unser Dreh- und Angelpunkt für die Touren. Traditionell tranken wir zum Wiedersehen immer in der Bahnhofskneipe das erste Bier, bevor wir mit dem Zug dann zu unserem eigentlichen Reiseziel fuhren. Dass unsere M-Tour nach Münster ging, war allen schnell klar. Lise reiste wieder direkt nach Münster an. Wir holten ihn am Bahnsteig ab und gingen zum ersten Mal nicht in die Bahnhofskneipe. Ich hätte ein schönes Café gefunden, sagte ich. Meine Freunde waren nicht begeistert. Die, zumindest damals, etwas abgeranzte Bahnhofskneipe hatte schon leichten Kultstatus bei uns. Ich hatte indes für 10 Uhr das Kino gemietet. Die Freunde murrten, nuschelten etwas von „Café…, na toll, früher gab es wenigstens ein Bier“, sie folgten mir aber trotzdem. Das Kino liegt vom Bahnhof fußläufig zehn Minuten entfernt. Mit dem Kinobesitzer hatte ich zuvor abgemacht, er möge mich bloß nicht ansprechen oder irgendwie verraten, dass wir schon Kontakt hatten.


Wer die teuerste Kinokarte kauft, kann auch einen Platz auf der kinoeigenen Anzeigetafel buchen. Ich hatte das Cinema 2 gebucht und mich für den etwas einfallslosen Titel „5 Freunde im Wilden Westen“ entschieden.


Wir waren gegen 9.30 Uhr in der kleinen Kulturkneipe, die zum Kino gehörte. Das Kino war bis auf uns und die Servicekraft leer. Wir frühstückten ein belegtes Brot, tranken einen Kaffee – das erste Bier gab es auch schon. Ich hätte dieses Mal nichts vorbereitet, log ich. Wir könnten uns treiben lassen. Ich zeigte auf die Tafel in dem Kino. „Fünf Freunde im Wilden Westen“, las ich laut vor. Niemand nahm von meinem Satz Notiz. Das wäre doch ein unglaublicher Zufall, trieb ich meine Geschichte an. Wir wären doch erst vor einem halben Jahr im Wilden Westen gewesen und hier liefe jetzt ein passender Film. Die Jungs schauten entsetzt. „Also ich gehe bestimmt nicht ins Kino.“ „Ich gucke mir doch keinen Kinderfilm an.“ „Drei ??? ginge ja noch, aber nicht Fünf Freunde.“ Nur Scholli fand die Idee witzig. Dazu muss man wissen, dass Scholli, wie sage ich es am diplomatischsten, von uns Fünfen der schwächste Trinker ist und gerne gemäßigt in den Tag startet. Ich glaube, er wollte die Non-Alcohol-Zeit etwas nach hinten verschieben. Die Kinokraft bekam meine Not mit und erklärte uns, man dürfe auch im Kino Bier trinken. Zum Glück stand auf der Anzeigetafel nur die Anfangsuhrzeit. Hätte dort noch die Filmdauer gestanden, wäre niemand ins Kino gegangen. Ich musste mich trotzdem eines Tricks bedienen. Ich bot an, alle Tickets zu bezahlen. Wenn es blöde werden würde, könnten wir ja einfach wieder gehen. Die Jungs wussten ja nicht, dass sie längst die ganze Party finanziert hatten. Zur Erinnerung. Jede Tour kostete damals pro Person 150 Euro. Darin enthalten waren Anreise, Hotel, Essen und Trinken und eben Aktionen. (Die Touren, die Idee... das gibt es alles im Blogbeitrag Fünf Freunde Teil I)


Wir stimmten ab. Scholli und ich verloren mit zwei zu drei Stimmen. Jetzt regte ich mich auf. Das wäre doch eine super Gaudi. Ich würde da jetzt reingehen. Die Kinokraft köpfte fünf Bier und reichte mir noch einen Korb mit fünf weiteren Bierflaschen. „Der Film ist witzig und ihr seid die Einzigen im Kino“, sagte er. „Ihr könnte Euch von mir aus auch laut unterhalten.“ Den Jungs gingen die Argumente aus.


Blick ins Cinema2. Foto: CINEMA Filmtheater GmbH

Das Cinema 2 hat 58 Sitzplätze. Es gibt vier Reihen und eine echt fette Leinwand. Die weißen Sitze sind super bequem. Wir setzten uns in die Mitte der zweiten Reihe. Als Eröffnungslied hatte ich das Western-Instrumentalstück „Silverado“ vom Philharmonischen Orchester Prag ausgewählt. Die Jungs (bis auf Scholli) nahmen etwas genervt Platz. Dann öffnete sich der Vorhang. In den ersten zehn Sekunden hört man diese eindrucksvolle Westernmusik und sieht die Weite der Landschaft, dann kam unser Gruppenbild, dann kamen Porträtbilder von uns, als Hauptdarsteller. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Als alle realisiert hatten, dass dieser Film unser Film war, schrien fast alle gleichzeitig los. (Hier geht es zu einem 17-Minuten-Clip inklusive der Eröffnungssequenz).


Wir erlebten unsere Reise noch einmal. Dieses Mal waren wir die Kinohelden. Das Kino hat mit uns an diesem Vormittag richtig Umsatz gemacht. Nach drei Stunden und einer kurzen Pause hatten wir das Harald-Juhnke-Gefühl längst hinter uns gelassen und waren mehr auf die Dean-Martin-Weisheit zum Betrunkensein umgeschwenkt. „Betrunken bin ich erst, wenn ich auf dem Boden liege und mich festhalten muss.“ Es war ein toller Tag. Wir saßen am Aasee, zogen durch die Studentenkneipen und erzählten jedem, der es nicht hören wollte, dass hier gerade fünf Leinwandstars stehen würden.


Reichen eigentlich 49 Jahre, na gut, fast 50 Lebensjahre aus, um eine Halbzeitbiografie zu schreiben? Ich denke, es hat sich eine Menge Kurioses, Schönes, Nachdenkliches und Lustiges angesammelt. Bis zu meinem 50. Geburtstag schreibe ich einige Erinnerungen hier einfach einmal nieder. Will doch keiner lesen? Ja Gott, dann lasst es. Wen es interessiert ... willkommen in meiner Welt.

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