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LARS RECKERMANN

Muss man mögen

Hier gibt es Geschichten und Tresenabenteuer. Alles subjektiv, alles Geschmackssache.

Musse ma gemacht haben
 
 
 
 

ÜBER MICH

Journalist, leidenschaftlicher Lokalreporter, Allround-Dilettant :-) Immer neugierig - und überzeugter Kneipengänger und Stammtisch-Lauscher. Nach dem Studium direkt zur Zeitung und dort auch immer geblieben. Zuhörer, Beobachter und Aufschreiber.

 
 

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Lars Reckermann

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  • Lars Reckermann

Sonnenbrand trifft Frottee


So ungefähr ... das Foto wurde mit Snpachat erstellt.

Meinen schlimmsten Sonnebrand fing ich mir als Achtjähriger ein…, nein, nicht in einem von der Sonne verwöhnten Land, sondern in Dänemark. Nun muss ich vorausschicken, dass meine empfindliche Haut schon Blasen wirft, wenn jemand eine 100-Watt-Birne an der Zimmerdecke hängen hat – also die alten Birnen. Ich nehme deshalb auch keine Sonnencreme, ich schmiere mich quasi mit Plackerfarbe ein. Lichtschutzfaktor 50? Das heißt für meine Haut übersetzt: Brennglas. Da wird bei mir nichts geschützt.


1978 fuhren wir, wieder einmal, zum Hennestrand nach Dänemark. Es war ein super Sommer, und ich sah schon nach einem Tag wie ein Engländer in der Mikrowelle aus. Das lag daran, dass ich fürs Eincremen einfach nichts übrighatte. Es dauerte mir zu lange. Da ich in den Dünen spielen wollte und nicht wie ein Schnitzel in Paniermehl aussehen wollte, mochte ich auch diesen Klebeeffekt der Creme nicht. Im Jahre 1978 bestand Sonnencreme noch aus Creme. Das Zeug schmierte wie Hölle und war erst nach 16 Stunden in die Haut eingezogen – wenn überhaupt. Das Resultat am Abend des sonnenreichen, nicht eingecremten Urlaubstages: ein stattlicher Sonnenbrand, der eigentlich umgehend einer ärztlichen Versorgung bedurft hätte.


Aber zurück zu meiner roten Haut. Ich wüsste noch heute zu gerne, wer meiner Mutter den Rat gegeben hat, dass Niveacreme die Haut beruhigt. Sie schmierte mich von oben bis unten mit dem zähen Brei ein, der noch schlechter einzog, als die 1978er Sonnenschutzcreme. Ich sah aus wie einer jener Aktionskünstler, der in diversen Fußgängerzonen herumsteht und als lebendige Mamorstatue die Passanten unterhält.

Eingeschmiert wie ein Bodybuilder kurz vor der Siegerehrung konnte ich mich so natürlich unmöglich ins Bett legen. Also griff sie sich meinen Schlafanzug (Frottee, ganz schön peinlich, ich weiß) und freute sich, dass ich nun gut behütet in meinem riesen Frotteekondom einschlafen konnte, ohne auf die frisch bezogene Bettbezüge Nivea-Fettflecken zu machen. Den Frotteeschlafanzug hatte sie vermutlich abgeschrieben. Die mehrere Liter Nivea auf meiner Haut hätten nicht einmal der Weiße Riese gemeinsam mit Meister Propper herauswaschen können.


Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, was über Nacht passiert ist. Meine Haut glühte, die Fettcreme und das Frottee entdeckten ihre Zuneigung zueinander und am nächsten Morgen stieg ich aus dem Bett wie eine Mumie in einem Horrorfilm.

Ich konnte nicht einmal vorsichtig den Schlafanzug ausziehen, weil er so fest an meiner Haut pappte. Der Schlafanzug war steinhart. Jede Bewegung löste auf meiner sowieso schon sonnenverbrannten Haut unerträgliche Schmerzen aus. Das Mitleid der Nachbarn in der Feriensiedlung war nur gespielt. Das merkte ich spätestens dann, als eine Mutter ihr kleines Kind in meine Richtung schubste und schnell ein Foto mit mir machte – hatte ich erwähnt, dass meine Eltern meinten, es sei gut, wenn ich etwas draußen spielen würde, als Achtjähriger, im Frotteeschlafanzug... Ich war der Roboterjunge, gefangen in einem weinroten Schlafanzug, der sicherlich inzwischen auch kugelsicher war.

Am Ende habe ich mich in die Badewanne gelegt, gewartet bis die gebackene Haut runzelig wurde und meine zweite Frottee-Haut von meiner, dass muss ich der Niveacreme nun zu Gute halten, samtweichen Haut gepellt.


Seitdem hasse ich Frotteeschlafanzüge und trage meist am Strand und in der Sonne ein T-Shirt, am liebsten mit langen Ärmeln. Sie werden mich am Strand vermutlich sowieso nicht finden. Ich trage nicht nur Kleidung, ich liege auch unter einem großen Sonnenschirm, unter dem eine Strandmuschel aufgebaut ist, in deren hintersten Ecke ich kauere, unterm einen Handtuch, in einer Embryonalhaltung.

Reichen eigentlich 49 Jahre, na gut, fast 50 Lebensjahre aus, um eine Halbzeitbiografie zu schreiben? Ich denke, es hat sich eine Menge Kurioses, Schönes, Nachdenkliches und Lustiges angesammelt. Bis zu meinem 50. Geburtstag schreibe ich einige Erinnerungen hier einfach einmal nieder. Will doch keiner lesen? Ja Gott, dann lasst es. Wen es interessiert ... willkommen in meiner Welt.

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