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So nicht Herr Chefredakteur! Eskalation mit Herrn Dr. Zimmermann


Leserbriefe dienen dem Austausch mit dem Leser. Er kommt zu Wort, kann sich zu Artikeln in der Zeitung äußern. Er kann mit der Welt über die Plattform Zeitung kommunizieren. 1500 Zeichen, so ist unsere Maßgabe, darf ein Leserbrief maximal haben. Warum denn so kurz im Zeitalter von unendlichen Längen im Internetz? Nun ja, noch kommen die Leserbriefe auch in die Zeitung. Da gibt es nur begrenzt Platz. Und damit der Redakteur nicht die persönliche Meinung des Lesers redigiert, ist es einfacher, gleich auf Schreibdisziplin zu setzen. Die Chance, dass ausgerechnet jener Satz, den der Leser für extrem wichtig hält, gekürzt wird, ist groß und schadet fast immer dem Leser-Redakteur-Verhältnis. Also erinnern wir Leser gerne daran, wenn ihre Texte zu lang sind, sie auf 1500 Zeichen zu kürzen. Das erspart beiden Seiten Konflikte.

Wie indes ein promovierter Lehrerbeamter auf den Hinweis reagiert hat, gibt es an dieser Stelle. Lediglich die Namen und identifizierende Hinweise wurden geändert. Akademische Titel und alle anderen Wörter sind allesamt ungekürzt. Die Zeilen in roter Farbe, sind die vom enttäuschten Leserbriefschreiber gewählten Überschriften über seinen Text (rot stimmt, die Farbe wurde von mir nicht geändert). Viel Spaß!


Montag, 11. September, gegen 13 Uhr

Mail der Newsdesk-Managerin an einen Leserbriefschreiber:

Sehr geehrter Herr Zimmermann,

vielen Dank für die Zusendung Ihrer Leserbriefe.

Allerdings sind diese leider alle zu lang. Bitte kürzen Sie Ihre Leserbriefe auf 1500 Zeichen und schicken Sie uns diese erneut zu. Die eingeschickten Leserbriefe nehmen wir aus unserem System.

Vielen Dank und freundliche Grüße

Frau Aufstehn


Montag, 11. September, 16:52 Uhr

Antwort des Leserbriefschreibers:

Sind Sie hier die Lektorin?

Sehr geehrte Frau Redaktionsassistentin Aufstehn,

drei Wochen lang hat die Redaktion meine Leserbriefe ungekürzt abgedruckt, alle vier.

Eine arrivierte Redakteurin findet sie sprachlich und inhaltlich so gelungen, dass sie mich vergangenen Mittwoch bei der Chefredaktion als ‚freien Mitarbeiter‘ vorgeschlagen hat.

Meine Texte sind lang, sicher; aber sind sie auch ‚zu lang‘?

Können Sie das beurteilen? Kann man sie ohne Substanzverlust kürzen?

Verstehen Sie hiervon etwas? Haben Sie (wie ich, u.a.) ein Deutsch- bzw. Germanistik-Studium absolviert?

Oder stehen Sie eher am Anfang Ihrer Berufstätigkeit, womöglich (noch) ganz ohne Studium?

Ist Ihnen klar, wem Sie hier ziemlich forsch geschrieben haben?

Ich bin ein 67-jähriger Lehrerbeamter , war ab 1972 (vor über 50 Jahren) Redakteur einer preisgekrönten Schüler- und ein Jahr später Chefredakteur einer Sozialzeitung, veröffentlichte (...) ab 1977 als junger Lehramtsstudent Kurzgeschichten in einer Tageszeitung, war von 1992 (vor über drei Jahrzehnten) bis zu meiner Pensionierung im Sommer 2020 Pressesprecher meiner Schulen; insofern überrascht mich die Chuzpe, mit der Sie mir hier Ratschläge erteilen zu müssen glauben.

Sie treten hier auf wie eine Lektorin. Falls Sie im Auftrag eines verantwortlichen Redakteurs / einer verantwortlichen Redakteurin geschrieben haben, hätten Sie dies kenntlich machen sollen. (Doch auch in diesem Fall hätte ich diesen Tonfall nicht einfach hingenommen.)

Falls es jedoch Ihre Absicht war, mich zu verärgern, dann herzliche Gratulation!

Nach Ihrem aus meiner Sicht gründlich verunglückten Schreiben muss ich mir nun ernsthaft überlegen, ob ich meine Texte jeweils auf 1500 Wörter reduzieren oder mich Ihrer Aufforderung eher verweigern sollte. (Es wäre schade weniger für mich als für die LeserInnen Ihrer Zeitung.)

Als der österreichische Kaiser fand, die neueste Oper Mozarts enthalte „zu viele Noten“, antwortete dieser: „Genau so viele wie nötig, Majestät!“

Vielleicht sollte ich den Spieß umdrehen und Sie anregen, mir erst einmal so zu schreiben, dass Sie mich überzeugen – also mit der nötigen Anerkennung meiner Lebensleistung und einem gewissen Fingerspitzengefühl.

Auch wenn ich mir dies erlauben könnte, würde ich niemals den akademischen Grad vergessen / unterschlagen, schreibe also immer an die „Frau Prof. ‘in“ bzw. den „Herrn Dr.“ (oder auch an die „Frau Redaktionsassistentin“).

Respekt ist Voraussetzung, wenn wir bei anderen konstruktiv etwas erreichen wollen.

Mit journalistischem Gruß,

Dr. Zimmermann


Montag, 11. September, 17:25 Uhr

Ergänzung des Leserbriefschreibers:

PS: Obige Mail geht auch an die Redaktion.

Ich habe zwei meiner Leserbriefe auf unter 1500 Zeichen gekürzt und eingereicht. Über Sie werde ich mich jedoch morgen (etwa bis 10 Uhr) bei der Chefredaktion beschweren, falls Sie sich bis dahin nicht entschuldigt bzw. Ihr Auftreten mir gegenüber plausibel erklärt haben.

Wo kämen wir hin, wenn junge, unerfahrene BerufsanfängerInnen alten Hasen der schreibenden Zunft Vorschriften zu machen wagen? Printmedien haben heute einen schweren Stand. Texte wie der Ihre sollten die prekäre Situation nicht noch verschärfen.


Montag, 11. September, 18:15 Uhr

Antwort des Chefredakteurs an den Leserbriefschreiber:

Sehr geehrter Herr Doktor Zimmermann,

ich stelle mich Ihnen kurz vor. Ich heiße Klaas Tui und bin der Chefredakteur der Zeitung. Ich beziehe mich auf einen Kontakt zwischen Ihnen und unserer Newsdeskmanagerin. (Mail siehe unten).

Meine Kollegin hat Ihnen einen freundlichen Hinweis gegeben, dass wir bei Leserbriefen eine Maximallänge haben. Es kann durchaus sein, dass der ein oder Text in Ausnahmefällen einmal länger ist, aber in der Regel (darauf weisen wir im Blatt auch immer wieder hin), haben Leserbriefe maximal 60 Zeilen oder 1500 Zeichen. Das war der Hinweis, mehr nicht.

Über Ihre Antwort bin ich erstaunt. Ehrlich gesagt, finde ich Ihre Antwort forsch und nicht die meiner Kollegin. Wir unterscheiden nicht bei unseren Leserinnen und Leser ob sie Handwerker, Lehrerbeamter, Arbeitslose, Studierte oder Nicht-Studierte sind. Was sagt das denn über die Fähigkeit eines Menschen aus, Texte zu beurteilen?

Wenn Sie Zeitungserfahrung haben, sollten Sie wissen, wie hochkomplex es ist, eine Redaktion zu führen. Textlängen müssen zwingend eingehalten werden.

Ich finde Ihre Antwort in weiten Teil abwertend und persönlich verletzend. Und dann werfen Sie auch noch meiner Kollegin Respektlosigkeit vor? Haben Sie sich vor dem Versenden einmal Ihre Mail durchgelesen?

Ich weiß, dass eine Kollegin Sie uns als Freien Mitarbeiter empfohlen hat. Sie sind sicherlich ein wortgewandter und toller Autor. In meinem Team habe ich indes keinen Platz für Sie. Weil wir hier respektvoll miteinander umgehen und auf den Menschen und nicht seinen Bildungsabschluss schauen. Ich möchte es Ihnen auch nicht zumuten, dass Ihre Texte eben von meinen Kolleginnen redigiert werden, die, Sie nach Ihrer Mail zu urteilen, für unfähig halten, Ihre Texte zu bearbeiten. Und wenn ich mich zwischen Ihnen und Frau Aufstehn entscheiden müsste ... na, Sie können sich die Antwort denken.

Ebenfalls mit journalistischem Gruß

Montag, 11. September, 20:04 Uhr

Antwort des Leserbriefschreibers an den Chefredakteur

Absolute Zustimmung!

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

Ausgangspunkt meiner Verärgerung war wohl eher, dass Sie sich seit Mittwoch nicht bei mir gemeldet haben.

Im Nachhinein tut es mir leid, dass Ihre junge Mitarbeiterin stellvertretend meine Verstimmung abbekommen hat.

(Nur mal zum Vergleich: Wenn mich eine Kollegin / ein Kollege in über 40 Dienstjahren darauf aufmerksam gemacht hat, dass ein Schüler gut singen bzw. schreiben oder eine Schülerin gut Klavier oder Schach spielen konnte, habe ich ihn / sie spontan, am gleichen oder Folgetag kontaktiert. Und auch wir Lehrkräfte haben viel zu tun.)

Wie dem auch sei: Ich empfinde Ihr Schreiben als respektlos, fast unverschämt und bin insofern froh, dass wir beide noch einmal mit dem Schrecken davongekommen sind.

Sie brauchen mich nicht, ich brauche Sie nicht. Keine halbe Stunde nach Ihrer Mail erreichte mich die Vorständin eines Akkordeonvereins, die sich für ein Musikstück interessiert, das letztes Jahr bei einem renommierten Verlag erschien:

‚Schließt sich eine Tür, geht eine andere auf‘, so lautete schon der Grundsatz meiner Mutter.

Meine Leserbriefe werden weiterhin im SPIEGEL, im stern und in der anderen örtlichen Lokalzeitung erscheinen. Sie werden künftig auf sie verzichten (und dies sicher gerne).

Auf kollegiale Grüße muss ich verzichten; wir beide sind dann doch keine Kollegen, auch nicht im weiteren Sinne.

Leben Sie also wohl!

Dr. Zimmermann


Montag, 11. September, 21:16 Uhr

Antwort des Chefredakteurs an den Leserbriefschreiber

Sehr geehrter Dr. Zimmermann,

auf mich dürfen Sie sauer sein.

Dann können Sie sich ja bei Frau Aufstehn entschuldigen.

Leben Sie wohl.


Montag, 11. September, 21:49 Uhr

Antwort des Leserbriefschreibers

Wozu nachkarten?

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

wenn ich merke, dass sich (sehr frei nach Heinrich Böll) Sympathiestränge partout nicht schließen lassen, breche ich den Kontakt besser ab.

Sehr geehrter Dr. Zimmermann, …

Ihnen macht es wohl Spaß, mir zwar den ‚Dr.‘ zu gönnen, nicht aber den (wichtigeren) ‚Herrn‘.

Ich bin gar nicht ‚sauer‘ auf Sie, stehe Ihnen eher gleichgültig (und was den Kontrast zwischen Ihrem Zögern seit Mittwoch und Ihrer Spontaneität heute betrifft verständnislos) gegenüber, kann allerdings nachvollziehen, dass Sie sich hinter Ihre junge Mitarbeiterin stellen, auch wenn Sie natürlich wissen, dass sie sich geschickter hätte ausdrücken können.

Warum soll ich mich bei Ihrem Schützling entschuldigen, wenn dies bei uns beiden doch nicht zu einem Umdenken, einer Einigung führte?

So schlimm wie Sie (im Plural) finde ich meine Mail nun wirklich nicht.

Meinerseits bleibt es dabei: Wenn Ihre Mitarbeiterin den ‚Dr.‘ vergisst und Sie auf den ‚Herrn‘ verzichten zu können glauben, gibt es für uns keine Basis.

Beenden wir also den unerfreulichen Kontakt.

Mit eher nicht-kollegialem Gruß,

Dr. Zimmermann


Montag, 11. September, 21:55 Uhr

Antwort des Chefredakteurs

Sehr geehrter Herr Dr. Zimmermann,

ich gönne Ihnen dennoch nicht das letzte Wort.

Dass Sie sich nicht zu einer Entschuldigung an die Kollegin durchringen können, sagt viel aus. Zumal Sie sie von ihr ja eine gefordert haben - mit Ultimatum sogar. Mann, oh Mann.

Jetzt ist aber auch gut.

Ade!


Montag, 11. September, 22:39 Uhr

Antwort des Leserbriefschreibers

Nichts ist „gut“…!

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

warum soll ich Ihnen das letzte Wort gönnen?

Damit Sie sich für den moralischen Sieger halten?

Merken Sie nicht, dass Sie sich mit dem Stoßseufzer ‚Mann, oh Mann‘ (jedenfalls mir gegenüber) disqualifizieren?

„Gut“ ist da natürlich gar nichts.

Und nochmals: Hätten Sie sich rechtzeitig bei mir gemeldet, hätten Sie die Tragikomödie vermieden. Ihrer Kollegin gegenüber, die mich empfohlen hat, werde ich kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn sie aus dem Urlaub zurückkehrt.

Wie gehabt,

Dr. Zimmermann

PS: Ich bin sehr ausdauernd und Schreiben ist mein Lebenselixier. Wetten, dass Sie nicht „das letzte Wort“ bekommen werden?

Dienstag, 12. September, 01:27 Uhr

Mail des Leserbriefschreibers

Vorschlag zur Güte

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

also gut, ich gebe nach – ohne mich gleich für den Klügeren zu halten: entschuldige mich bei Ihrer Mitarbeiterin für meine Überreaktion, stelle jedoch zugleich fest, dass Sie meinen Namenszusatz nicht hätten unterschlagen und einen anerkennenden Satz zu meinen Leserbriefen hätte hinzufügen sollen; zudem vertraue ich ihr an, dass ein anderes Problem meine Mail an sie ausgelöst hat. Welches (nämlich Ihre Gleichgültigkeit mir gegenüber), verschweige ich Ihnen zuliebe.

Dieses Problem ist allerdings zentral: Wieso haben Sie fünf Tage gewartet und mir sodann erst eine Aufmerksamkeit geschenkt, auf die ich gut hätte verzichten können?

Dennoch sollte meine Maßnahme für uns sodann eine Basis für Verhandlungen sein – eher Ihrer Zeitung und Ihrer Leserschaft als mir selbst zuliebe. Ich könnte bei vielen Medien anheuern, sicher auch bei Ihrer Konkurrenz. Wie Sie wissen, war ich bereits in den 70er Jahren bei einer Tageszeitung sehr erfolgreich, habe sogar gut verdient (bei 60 DM pro Kurzgeschichte und angesichts meines Status als Student).

Unser beider Konflikt sollte dennoch lösbar sein: Zwar bin ich mir meiner Talente bewusst (das Schreiben von Texten, das Komponieren von Musik, das Musizieren), dennoch meist eher umgänglich und bescheiden. 44 Jahre (das Studium inbegriffen) habe ich mit KommilitonInnen und KollegInnen effizient zusammengearbeitet.

(Ganz sicher bin ich mir nicht, wie es in diesem letzten Punkt ‚Bescheidenheit‘ bei Ihnen aussieht. Und natürlich haben Sie mich gleich in Ihrer ersten Mail beleidigt – bei der Frage, mit wem Sie lieber zusammenarbeiten. Das war schon ein starkes Stück!)

Morgen werde ich mich ohnehin erstmal um das Ensemble bemühen; meine Musik ist bereits an der Nordsee erklungen, in mehreren Städten Baden-Württembergs, in Hessen.

Ihre mich empfehlende Kollegin sprach zu Recht von meiner musikalischen Kompetenz.

Nun ist es bald halb zwei und auch für mich Zeit, eine Nacht drüber zu schlafen. Wenn ich nichts mehr von Ihnen höre, ist das auch in Ordnung; dann hatte ich allerdings „das letzte Wort“. Die Versöhnungsmail an Ihre Mitarbeiterin schreibe ich erst auf Ihre Zustimmung hin.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Nachtruhe.

Dr. Zimmermann


Mittwoch, 13. September, 9 Uhr

Mail des Leserbriefschreibers an die Newsdesk-Managerin

Kleine Ursache, große Wirkung

Sehr geehrte Frau Aufstehn,

Sie werden wohl erfahren haben, dass meine (Über-)Reaktion auf Ihre Mail zu einem Konflikt mit Ihrem Chefredakteur führte – und nach vier Leserbriefen in Folge ohne jede Beanstandung zu meinem Abschied von Ihrer Zeitung.

Ich werde also kein ‚freier Mitarbeiter‘, auch wenn sich dies Ihre Kollegin gewünscht hat.

Ich kann das verschmerzen, muss angesichts meiner (nach 44 Jahren Schuldienst recht hohen) Beamtenpension ohnehin nichts dazuverdienen.

Dennoch bedaure ich den Verlauf meines Ausflugs zu Ihrer Zeitung und entschuldige mich bei Ihnen für meine Überreaktion.

Vielleicht können Sie aber auch mich verstehen: Wer mich noch überhaupt nicht kennt, sollte auf meinen akademischen Namenszusatz nicht verzichten. Da würden auch andere zu Recht empfindlich reagieren.

Und wer von mir erwartet, dass ich meine Geschenke verändere (in diesem Fall Texte kürze, die ich so gut ich kann geschrieben habe – und dass ich schreiben kann, bestreitet noch nicht einmal Ihr Chef), sollte diese wenigstens anerkennen, sich vielleicht auch bedanken (wie es eine Kollegin mehrfach gehalten hat).

Falls Sie ‚im Auftrag‘ geschrieben haben, hätten Sie dies kenntlich machen sollen; so habe ich Ihre Mail als anmaßend empfunden und entsprechend (über-)reagiert.

Auch wenn Sie anhand meiner Anregungen Ihre Schreibweise künftig optimieren sollten (um Ihrerseits nicht als arrogant rüberzukommen und solch unnötige Konflikte zu vermeiden): Vermutlich hauptursächlich war dennoch etwas ganz anderes – ein Versäumnis Ihrer Zeitung, das ich Ihnen nicht nenne, um den Verursacher meiner Verärgerung zu schonen.

Machen Sie sich um mich keine Sorgen; mir wird schon nicht langweilig:

Keine halbe Stunde nach der Absage Ihres Chefs erreichte mich telefonisch die Vorständin eines Akkordeonvereins, die sich für ein Musikstück interessiert, das letztes Jahr bei einem renommierten Verlag erschien und (achtungserfolgreich) an einem renommierten Kompositionswettbewerb teilnahm:

[Titel des Werkes]

Sie hat sich nach der Zusendung (zunächst auch per Mail) herzlich bedankt und erwartet keineswegs, dass ich mein Stück kürze oder auch nur eine einzige Note ändere.

Schließt sich eine Tür, geht eine andere auf‘, so lautete schon das Lebensmotto meiner Mutter.

Meine Leserbriefe werden weiterhin mehrfach pro Jahr im SPIEGEL, im stern und bei Ihrem Konkurrenten erscheinen, meine Musik in Konzerten von der Nordsee bis Bayern erklingen.

Dass Ihr Chef nach eigener Darstellung weit lieber mit Ihnen zusammenarbeitet als mit mir, hat mich zwar tief beeindruckt, ist jedoch ein Verlust vor allem für Ihre Zeitung, weniger für mich.

Ihnen Gesundheit, Glück und Erfolg!

Mit durchaus freundlichem Gruß,

Dr. Zimmermann

PS: Ich beteilige Ihren Chef Cc, da meine Mail auch ihn betrifft.


Donnerstag, 14. September, 08:48 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

Verzicht auf eine Beschwerde

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

haben Sie bei Ihren respektlosen Äußerungen mir gegenüber gar nicht bedacht, dass ich mich beim Deutschen Journalistenverband über Sie beschweren könnte?

Halten Sie sich tatsächlich für die oberste Instanz im Inbegriff der absoluten Wahrheit und der Lizenz zur Beleidigung?

Es wäre mir ein Leichtes, eine Beschwerde zu verfassen. Seit Kindestagen fliegen mir die Sätze einfach zu; ich bräuchte sie nur aufzuschreiben und auch dieser Text wäre brillant, überzeugend ausgefallen.

Dass ich darauf verzichte, heißt keineswegs, dass ich Ihr Verhalten billige; auch habe ich keine Angst vor einer möglichen ‚Retourkutsche‘.

Auch haben Sie mich als Chefredakteur nicht überzeugt: zu wenig souverän, zu persönlich, zu plump in der Ausdrucksweise.

Ich ziehe es vor, den tragikomischen Fall diskret abzuschließen – in der Einsicht, dass wir beide uns wohl ohnehin nicht lange ertragen hätten, und in der Erkenntnis, dass Ihre Zeitung mich eher gebraucht hätte als ich sie.

(Dass ich besser schreibe als viele Ihrer KollegInnen – ohne die typischen Dialekt- und Soziolektfehler der Ostalb, in wohlgeformten, originellen Sätzen –, habe ich anhand meiner Diplom- und Dissertationsurkunde amtlich und schriftlich.)

Das war nun endgültig meine letzte Botschaft an Sie. Auf zu neuen Ufern!

Ihnen Gesundheit, Glück und Erfolg!

Dr. Zimmermann


Freitag, 15. September, 08:36 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

Unprofessionelles Konfliktmanagement

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

gestern sprachen mich im Bürgerhaus gleich mehrere Besucher auf meine Leserbriefe an, die bis vorige Woche alle (ungekürzt!) erschienen waren und auf die Sie und Ihre Zeitung ab sofort verzichten müssen.

Ihre Charakterisierung aus der Hüfte war so unzutreffend wie ehrabschneidend; da bleibt mir nur, sie nicht etwa mit gleicher Münze, sondern dann doch schon etwas hochwertiger, sprachlich anspruchsvoller, raffinierter zu vergelten.

Ich weiß zwar nicht, was Sie mal studiert haben; Germanistik, Psychologe, Philosophie (alles meine Studienfächer) dürften es nicht gerade gewesen sein.

Ich versuche dennoch, trotz Ihrer Plumpheit, Anmaßung und Unverschämtheit mir gegenüber, mich Ihnen gegenüber fair zu verhalten und lege dies künftig auch Ihnen nahe: Wenn Ihre Kollegin aus dem Urlaub zurückkehrt und nach mir fragen sollte, teilen wir ihr beide mit, dass es zwischen uns beiden leider zu keiner Einigung gekommen sei – bei allem gegenseitigem Respekt. (Ein bisschen flunkern dürfen wir in solch einem Fall!)

Ihrer jungen Assistentin sollten Sie raten, sich künftig angemessener zu äußern. Meine Kritikpunkte halte ich nämlich aufrecht. Ihre Zeitung wollte schließlich etwas von mir, nicht umgekehrt.

Mit leider eher unfreundlichem Gruß,

Dr. Zimmermann


Freitag, 15. September, 18:53 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

Zu meinem allerletzten Leserbrief

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

heute brachte mir meine Schwägerin meinen letzten in Ihrer (leider dann doch nicht meiner, s.u.) Zeitung veröffentlichten Leserbrief mit – über den ‚Fall Aiwanger‘, insofern mit Symbolkraft: Während der Minister trotz des Skandals um ein antisemitisches Flugblatt (!) einfach weitermacht, darf ich aufgrund Ihres apodiktischen Verdikts in einem minder schweren Fall nicht einmal anfangen.

Sind Sie ein rigoroser Purist, der von den Ihrigen abweichende Meinungen nur schwer erträgt, für den es keine Aussprache, keine Versöhnung, nur einsame Entscheidungen als Demonstration Ihrer (auch nur auf Zeit geliehenen) Macht gibt?

Mein Text müsste auch Sie überzeugt, Sie sollten gespürt haben, dass ein versöhnlicher Bildungsbürger, ein sprachbegabter Demokrat und Menschenfreund ihn verfasst hat, der in der Literatur, Wissenschaft, Politik und Musik gleichermaßen zuhause ist.

Fast könnten Sie mir angesichts Ihrer Rigorosität leidtun, die Ihnen auch in anderen Fällen schaden dürfte.

Einfach hinnehmen werde ich Ihre grobe Abfuhr nicht, sondern Sie immer mal wieder mit Ihrem Versagen konfrontieren. […]

Dass wir beide nicht „zusammenkommen“, liegt weit eher an Ihnen als an mir.

Sie bringen Ihre Leserschaft um Texte meiner objektiv, von einer Universität (prinzipiell allen Professoren und Mitarbeitern) anerkannten Qualität – mit der ernstgemeinten Begründung, ich eignete mich charakterlich nicht als ‚freier Mitarbeiter‘. Natürlich lasse ich einen solchen aus einer einzigen Mail, also fast aus der Luft gegriffenen Vorwurf nicht auf mir sitzen. Dass mir ein Ordinarius (Prof. Dr., Institutsleiter, anerkannter Experte der deutschen Sprache) angeboten hat, bei ihm zu promovieren, lag insbesondere an meiner Integrität und Seriosität, nicht nur an meinem (sein Zitat) „besonders schönen Deutsch“.

Sie haben keine Ahnung von mir, wollen gar keine haben, tragen Scheuklappen, statt die Augen, ihr Herz zu öffnen. Solche Zeitgenossen nennt man wohl Ignoranten, oder?

Vielleicht sollte ich über meine Eindrücke doch den Verlag und den Verband informieren – zumal Sie soeben einen potentiellen Abonnenten verloren haben. Diese Möglichkeit behalte ich mir ausdrücklich vor.

(Meine Frau war bereit, mir zuliebe zu Ihrer Zeitung zu wechseln – was sich hiermit erledigt hat.)

Gerne bis demnächst (wobei Sie niemals das letzte Wort haben werden),

Dr. Zimmermann

PS: Sie haben übrigens noch nicht einmal ‚Newsdesk-Managerin‘ richtig geschrieben (laut DUDEN mit Bindestrich und keineswegs als einziges Wort, hier ohnehin euphemistisch-überhöht, Redaktionsassistentin hätte es besser getroffen) – und dies als sich seiner Großartigkeit allzu sicherer Chefredakteur! (Da könnte ich ‚Mann oh Mann!‘ ausrufen, wenn mir diese Terminologie nicht als infantil-läppisch erschiene.)


Samstag, 16. September, 10:04 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Frau Aufstehn

Eine reife Leistung!

Sehr geehrte Frau Aufstehn,

es ist dann überraschend doch noch ein fünfter, finaler Leserbrief erschienen.

Das war’s mit meinem zunächst so erfolgreichen Ausflug zu Ihrer Zeitung, was ich bedaure, aber dann doch nicht ausschließlich an mir liegt:

Sie hätten mir gewiss angemessener schreiben können, ich habe überreagiert.

Ihr Chefredakteur schoss mit seiner beleidigenden Aggressivität den Vogel ab.

Zwischen ihm und mir hat sich eine tiefe Gegner-, fast Feindschaft entwickelt, die mir ansonsten fremd ist, der ich mich jedoch stelle.

Auch er hat eine übergeordnete Instanz.

Zudem bin ich der Ältere, beruflich, ohnehin akademisch (noch) Erfolgreichere; von meiner Pension kann ein Journalist nur träumen – was sein Gehalt betrifft, nicht etwa seine Rente allenfalls in halber Höhe.

Sie sind die Einzige, die auf eine reife Leistung und das Resultat so richtig stolz sein kann: Ihre Zeitung wird auf meine Texte (auch die Konzert-, Theaterberichte) ebenso verzichten müssen wie auf unser Abonnement. Meine Frau war bereit, die Zeitung zu wechseln; nun ist sie es nicht mehr.

Sie haben also viel erreicht in den nur wenigen Tagen und können sich auf eine glänzende Karriere freuen.

Machen Sie einfach so weiter: Wenn sie mal einem approbierten Mediziner, promovierten Pfarrer oder prominenten Politiker schreiben, lassen Sie die Berufsbezeichnungen und Namenszusätze einfach weg, beweisen so Ihr Selbstbewusstsein. Sie werden Beifallsstürme ernten.

Na dann, viel Erfolg!

Ich selbst werde mich künftig mit Leserbriefen im SPIEGEL, im stern etc. begnügen müssen: Jedem das, was er verdient!

Mit journalistischem Gruß,

Dr. Zimmermann


Samstag, 16. September, 16:34 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

Der Journalist kann alles…

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

… nur mit gutem Deutsch hat er manchmal seine liebe Mühe.

Ich habe zwei Mal an der PH studiert (1976 bis 1981 Lehramt, 1993 bis 1996 Diplom), schließlich ebenfalls nebenberuflich an einer Universität (Promotion von 2012 bis 2019).

Meine Versetzung in die Region Ihrer Zeitung zwecks Familiengründung habe ich nie bereut; sprachlich war sie ein Schock: Seit nunmehr 23 Jahren leide ich unter dem ‚Dialekt‘ mit seinen Eigenwilligkeiten (um hier nicht gleich von Fehlern zu sprechen).

Was ich heute auf dem Titelblatt Ihrer Zeitung und sodann im zugehörigen Artikel lese, beweist erneut, dass eine Zusammenarbeit schwierig gewesen wäre. ‚Sinn machen‘ ist einfach schlechtes Deutsch, eine wörtliche Übersetzung von ‚to make sense‘.

Ich habe die KI gefragt, die vielfach klüger ist als wir. Hier verkürzt sein Standpunkt:

Die Wendung „Sinn machen“ ist eine umgangssprachliche Formulierung, die sich von der englischen Phrase „to make sense“ ableitet. Sie ist jedoch kein gutes Deutsch, da sie gegen die Logik der deutschen Sprache verstößt… Die Wendung … wird von vielen Sprachpuristen und -kritikern als falsch und unschön angesehen… Die Verwendung … kann … dazu führen, dass man nicht ernst genommen wird oder einen schlechten Eindruck hinterlässt. Der Kolumnist und Satiriker Max Goldt bezeichnete „Sinn machen“ als einen „primitiven Übersetzungsanglizismus“...

Das bedeutet, dass man … [ihn] in … schriftlichen Situationen vermeiden sollte… da es sonst den Eindruck erwecken könnte, dass man kein gutes Deutsch beherrscht oder dass man sich nicht um die Schönheit und Klarheit der deutschen Sprache kümmert…

Natürlich hätte ich als ‚freier Mitarbeiter‘ so arbeiten und schreiben können wie einst Reich-Ranitzki bei der ZEIT:

Er „wurde … niemals zur Teilnahme an den Redaktionskonferenzen eingeladen.“ (Wikipedia)

Tatsächlich hätte ich ansonsten auch unter anderen mutmaßlichen Wendungen Ihrer KollegInnen gelitten: unter dem inflationär und multifunktional benutzten Adjektiv / Adverb „definitiv“, unter der abgedroschenen Wendung „am Ende des Tages“, unter falschen Dativen (weil auch hier „der Dativ … dem Genitiv sein Feind“ ist: „den Toten“ statt richtig „der Toten gedenken“) etc.

In dieser Ausgabe lesen wir jedoch auch, wie ordinär manche Leser Ihre MitarbeiterInnen beleidigen oder sogar bedrohen. Dagegen ist meine Mail an Ihre Assistentin ja fast eine Liebeserklärung.

Sie haben weit eher überreagiert als ich, schreckten auch vor plumpen Beleidigungen nicht zurück – respektlos, anmaßend, unverschämt und zynisch. Augenblicklich weiß ich noch nicht, ob ich das auf mir sitzen lassen kann. Ihnen jedenfalls leiste ich intern schon mal entschieden Widerstand, damit Sie sich auf sich nicht allzu viel einbilden – schon gar nicht, dass Sie besser schreiben können als ich. Was ich bisher von Ihnen gelesen habe, konnte mich leider so gar nicht überzeugen.

Mit ähnlichem Gruß wie neulich,

Dr. Zimmermann


Sonntag, 17. September, 11:07 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

Berechtigter Widerstand?

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

wie erwähnt kann ich fast schreiben wie ich atme, machen mir auch meine Mails an Sie keine Mühe, sondern dienen der Psychohygiene.

Brandbriefe wie der Ihre bin ich schließlich nicht gewohnt und habe ich auch nicht verdient: Meine Kritik an Ihrer jungen, offenbar unerfahrenen Mitarbeiterin war nämlich im Kern berechtigt (Anrede, kein einziger positiver Aspekt), lediglich (keineswegs irreversibel) überzogen.

Ein halbwegs freundlicher Hinweis Ihrerseits hätte es auch getan; stattdessen beleidigen Sie mich, den 67-jährigen Lehrerbeamten und sowohl diplomierten als auch promovierten Akademiker, mehrfach auf ziemlich arrogant-plumpe Weise, die eines Journalisten nicht würdig ist.

Mein Widerstand rechtfertigt sich primär aus Ihrem Fehlverhalten, Ihrer Überreaktion mir gegenüber.

Was haben Sie denn gedacht, wie ich auf Ihre Unverschämtheiten reagiere?

Dass ich sie demütig schlucke? Was haben Sie denn für ein Menschenbild?

Wenn die Internet-Infos über Sie stimmen, verlassen Sie unsere Region in wenigen Tagen.

Mussten Sie dann noch einmal so ein Fass aufmachen?

Ob ich bei Ihrer Zeitung ‚freier Mitarbeiter‘ werde, fällt jedenfalls nicht in Ihre Entscheidungskompetenz, sondern jene Ihres Nachfolgers.

(Ich werde Ihre Kollegin lediglich darüber informieren, dass wie beide uns nicht einigen konnten, und sie bitten, Ihre Empfehlung an Ihren Nachfolger zu richten – sofern Sie mir gegenüber ebenso fair sind. Natürlich könnten Sie ihn ‚impfen‘; ich traue Ihnen dies zu und finde solche Befürchtungen meinerseits ziemlich bedenklich.)

Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung und werde da auch angesichts meiner Schreibkompetenz keine passive Rolle spielen.

Für Ihre neuen Aufgaben wünsche ich Ihnen Augenmaß, ein glücklicheres Händchen als in unserem Fall und in den nächsten 14, 15 Jahren bis zur wohlverdienten Rente viel Erfolg!

Ich bedaure, dass wir uns unter solch negativen Vorzeichen sicher nur zur Hälfte kennenlernen konnten. Auch sie haben sicher Ihre guten Seiten.

Dr. Zimmermann


Sonntag, 17. September, 11:21 Uhr

Mail Chefredakteur an Dr. Zimmermann

Herr Dr. Zimmermann,

ich werde meinem Nachfolger Ihren Mailverkehr an mich (und meine Mails an Sie) weiterleiten.

Er entscheidet selbstverständlich für sich, ob er mit Ihnen zusammenarbeiten möchte.


Sonntag, 17. September, 11:35 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

Endlich mal eine gute Idee!

Herr Chefredakteur, dann vergessen Sie aber auch nicht die Mail Ihrer jungen Mitarbeiterin und meine Antwort nicht.

Natürlich empfinde ich das Weiterleiten persönlicher Mails ohne Zustimmung des Autors als fragwürdig. Sie schaffen es tatsächlich, erst einen Brand zu entfachen, sodann Öl ins Feuer zu gießen, statt es diskret zu löschen.

Wahrscheinlich ist Ihr Nachfolger klug genug, Sie zu durchschauen; falls nicht, wäre er für meine berechtigten Ansprüche nicht qualifiziert genug.

Weiterhin gilt: Sie behalten mir gegenüber keineswegs das letzte Wort! Vor meiner Kondition hat (auf dem Tennisplatz) schon mancher kapituliert.

Und was das Schreiben und dessen Qualität betrifft, haben Sie ohnehin keine Chance. (Oder haben Sie jemals als 18-Jähriger Gedichte im Rundfunk, mit 21 Jahren Kurgeschichten im Feuilleton einer Zeitung, eine Dissertation veröffentlicht?)

Dr. Zimmermann


Sonntag, 17. September, 11:47 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

Gleich noch eine gute Idee?

Herr Chefredakteur,

wäre unser Fall nicht ein gefundenes Fressen für den SPIEGEL und / oder den stern, zu denen ich (auch als Gewinner eines Schreibwettbewerbs) jeweils rechte gute Kontakte habe und wo man meine Schreibkompetenz auch anerkennt.

Wer schreibt die Medien zuerst an, Sie oder ich? Wir beide parallel?

Was halten Sie davon? Sie könnten als Gegner freier Meinungsäußerung und rigoroser Machtmensch in ganz Deutschland berühmt werden.

Dr. Zimmermann


Sonntag, 17. September, 12:16 Uhr

Mail Chefredakteur an Dr. Zimmermann

Ich mache mir ernsthaft Sorgen um Sie. Das könnte krankhaft werden. Passen Sie bitte auf sich auf.

Wir beenden das jetzt hier am besten.

Es genügt.

Sonntag, 17. September, 14:41 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

Geht’s noch?!

Herr Chefredakteur,

sieht so auch sonst Ihr Konfliktmanagement aus?

Sie scheinen ja erstaunlicherweise nebenberuflich mehrere Berufe in sich zu vereinen: als rücksichtsloser Scharfrichter, nun auch als Psychologe, der sich anhand einiger Mails anmaßt, den Geisteszustand eines Autors einschätzen zu können.

Ihre Sorge können Sie sich sparen: Ich bin geistig völlig gesund, im Vollbesitz meiner intellektuellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Kräfte. Fragen Sie meinen Diabetologen! Er würde von mir schwärmen.

Sie schreiben sich um Kopf und Kragen! Auch diese steile These könnte Ihnen auf die Füße fallen. Frau Aufstehn werde ich jedenfalls schon mal über jüngste Beleidigung informieren; auch dank ihr ist es so weit mit Ihnen gekommen.

Zudem sind Sie ein Heuchler: Sie sorgen sich keineswegs um mich; Ihre Sorge sollte auch eher Ihnen selbst gelten.

Wann „es genügt“, entscheiden nicht Sie allein, sondern entscheide auch ich; Sie wissen, dass Sie niemals das letzte Wort behalten werden. Ich habe den längeren Atem, die subtileren sprachlichen Mittel, originelleren Einfälle.

Ich setze mich jetzt aber nicht gleich hin und schreibe den genannten Medien ein Protokoll der vergangenen Woche, obwohl ich dies ohne abzusetzen könnte (so wie damals bei dem erwähnten Schreibwettbewerb).

Ich warte die weitere Entwicklung ab.

Zwar darf unsereiner Machtmenschen wie Ihnen nicht das Feld überlassen, das diese nicht im Sinne Voltaires kultivieren („Il faut cultiver notre jardin“, ‚Candide‘), sondern eher ruinieren würden; eine Chance sollten wir ihnen (Ihnen) dann aber doch geben.

Weder Sie noch ich können den Konflikt zum Guten wenden; vielleicht jedoch Ihr Nachfolger und Ihre Kollegin.

In wenigen Tagen machen wir, meine Frau und ich, noch einmal Urlaub. Nach unserer Heimkehr tritt auch Ihre Kollegin ihren Dienst an, die ich wie versprochen lediglich vom Scheitern unserer ‚Verhandlungen‘ unterrichten und bitten werde, ihre Empfehlung an Ihren Nachfolger zu richten.

Ich selbst habe mich mein Leben lang um Fairness bemüht, auch Ihnen gegenüber, der Sie mir zwar längst feindlich gesinnt sind, was ich jedoch nicht allzu ernst nehme. Sie tun mir in Ihrer Selbstgerechtigkeit und Rechthaberei einfach nur leid; Ihnen fehlt offenbar jeder Selbstzweifel.

Die Argumente sind ausgetauscht; meinetwegen kann und soll es das zwischen uns gewesen sein, ehe wir uns wiederholen und im Kreise drehen, bis uns schwindlig wird.

Leben Sie wohl!

Dr. Zimmermann


Montag, 18. September, 08:11 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Frau Aufstehn

Kleiner Anlass, große Wirkung

Sehr geehrte Frau Aufstehn,

dass Ihre Mail an mich, die meine an Sie, der Brandbrief Ihres (Noch-)Chefs derartige Folgen haben könnte, haben wir, Sie wie ich, weder geahnt noch beabsichtigt.

Sie tragen hier nur eine Teilschuld: Meine wiegt schwerer, jene des Herrn Chefredakteurs am schwersten.

Inzwischen erwäge ich, diesen Fall einer gestörten Kommunikation zwischen Redaktion und Leserschaft bedeutenden Medien zu schildern: Der SPIEGEL als „Sturmgeschütz der Demokratie“ und der stern greifen gerne solche Themen auf. Sie und Ihr Chef könnten noch richtig berühmt, womöglich zu einer der zahlreichen Talkshows (Lanz, Maischberger) eingeladen werden.

Ihren (Noch-)Chef habe ich mit dieser Möglichkeit konfrontiert, worauf er mir, dem 67-jährigen Lehrerbeamten und erstens diplomierten, zweitens promovierten Wissenschaftler allen Ernstes schreibt:

„Ich mache mir ernsthaft Sorgen um Sie. Das könnte krankhaft werden.“

Er ferndiagnostiziert also bei mir eine Psychose, schreibt sich um Kopf und Kragen. Auch dies war sicher nicht Ihre Absicht, sollte Ihnen für Ihre Zukunft jedoch zu denken geben. Denn meine Kritik an Ihrer Mail halte ich inhaltlich aufrecht.

Mit durchaus freundlichem Gruß,

Dr. Zimmermann

PS: Eine Ihrer Aufgaben ist eine konstruktive „Kommunikation mit … [den] freien Mitarbeitern“: Wussten Sie nichts von der Idee Ihrer Kollegin?


Montag, 18. September, 09:31 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

Zur unautorisierten Weiterleitung privater Briefe / Mails

Herr Chefredakteur,

Sie haben unseren Federkrieg begonnen (statt mich einfach zu bitten, im Falle einer Zusammenarbeit gelegentliche Unhöflichkeiten Ihrer MitarbeiterInnen zu ignorieren, statt hierauf vorwurfsvoll zu [über]reagieren); Sie bestimmen jedoch nicht dessen Ende, insbesondere, wenn Sie sich erstens mehrfach der (Beamten-)Beleidigung schuldig machen (einschließlich als Hobby-Psychologe der Unterstellung von Krankheiten) und zweitens die unerlaubte, widerrechtliche Weiterleitung privater Post ankündigen.

Ich habe hierzu erneut die KI gefragt; hier deren Auskunft (unverändert, ungekürzt, nur ohne Fußnoten):

• Die Weiterleitung von geschäftlichen E-Mails an private Adressen kann in einigen Fällen als Nebenpflichtverletzung oder Verletzung des Telekommunikations-/Fernmeldegeheimnisses angesehen werden. Es kommt darauf an, ob der Arbeitgeber oder der Diensteanbieter die private Nutzung des geschäftlichen Accounts erlaubt hat und ob der Mitarbeiter oder der Inhaber des privaten Accounts damit einverstanden ist14.

• Die Weiterleitung von privaten Briefen / Mails an unbeteiligte Dritte kann in einigen Fällen als Verletzung des Postgeheimnisses angesehen werden. Es kommt darauf an, ob der Absender oder der Empfänger der privaten Briefe / Mails damit einverstanden ist und ob die Weiterleitung öffentlich zugänglich gemacht wird3.

Was für ‚geschäftliche E-Mails‘ zutrifft, gilt wohl erst recht für privaten Schriftverkehr, wie wir ihn (ohne jede Geschäftsbeziehung) geführt haben.

Ich kann Ihnen also nur dringend raten, von der Weiterleitung unserer Mails an Ihren Nachfolger abzusehen. Kurz gesagt: Lars es!

Einstweilen wende ich mich weder an den SPIEGEL noch an den stern, wo ich (nach unzähligen Leserbriefen und dem erwähnten Wettbewerbssieg) jeweils einige Ihrer KollegInnen recht gut kenne, hoffe vielmehr nach wie vor auf einen glimpflichen Ausgang unseres Konflikts, d.h. vor allem auf mehr Fingerspitzengefühl und Augenmaß Ihres Nachfolgers.

Sie selbst sollten sich künftig nicht wichtiger nehmen als Sie sind, einsehen, dass wir alle Fehler machen und diese nicht gleich zu derartigen Zerwürfnissen führen sollten. So undiplomatisch hat sich mir gegenüber selten jemand verhalten.

Sie haben sicher auch gute Seiten und Fähigkeiten; schade, dass ich diese nicht habe kennenlernen dürfen.

Bitte antworten Sie mir nicht mehr. Sie würden lediglich meine nächste Mail erzwingen und wissen, dass ich über diese nicht lange nachdenken müsste.

Ein besserwisserischer, autoritärer statt autoritativer Machtmensch wie Sie darf mir gegenüber nicht das letzte Wort behalten!

Nach unserem Urlaub schreibe ich Ihrer Kollegin und Ihren Nachfolger an, zunächst in der Hoffnung, dass Sie ihnen unseren haarsträubenden Konflikt ebenso verschwiegen haben wie ich selbst. Falls Sie dieser Bitte entsprechen, werde ich Ihrer Kollegin mitteilen, dass Sie diese Entscheidung, mich als ‚freier Mitarbeiter‘ und (angesichts der prekären Lage unserer Printmedien auch ein wesentlicher Aspekt!) uns, meine Frau und mich, als neue Abonnenten zu gewinnen, lieber Ihrem Nachfolger überlassen wollten.

Und jetzt sagen Sie selbst: Ist das nicht fair?

Die letzte Ehre, die wir uns sodann erweisen können und sollten, besteht darin, dass wir beide uns gründlich und nachhaltig vergessen.

Ich jedenfalls schreibe lieber Laudationes als Brandbriefe; leider fiel mir soeben keine finale Freundlichkeit ein – was selten vorkommt, aber nicht nur an mir liegen kann.

Dr. Zimmermann


Dienstag, 19. September, gegen 19:45 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

Ende gut…

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

… (fast) alles gut: Ab heute liegt mir ein anderes, (angesichts unserer vermeidbaren Auseinandersetzung) attraktiveres Angebot vor, sodass sich für mich eine ‚freie Mitarbeit‘ bei Ihrer Zeitung erledigt hat.

Wir beide können und sollten uns gegenseitig einfach vergessen.

Ich wünsche Ihnen bei Ihrer Zeitung „im Norden“ Gesundheit, Glück und Erfolg!

Dr. Zimmermann

PS: Sie brauchen mir nicht zu antworten.


Donnerstag, 22. September, 08:48 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

Der kleine Unterschied

Herr Chefredakteur,

das ist eben der Unterschied, was den Umgang miteinander betrifft:

Während Sie sich auf die Anregung Ihrer Redakteurin tagelang nicht bei mir gemeldet und mir sodann ausschließlich respektlos, teilweise so unverschämt und zynisch geschrieben haben, dass ich an Ihrer ethischen Reife zweifeln musste, hat mich der Redaktionsleiter eines (hier besser nicht genannten) Printmediums bereits wenige Stunden nach meiner Kontaktaufnahme (für heute Abend) eingeladen und scheint ziemlich entschlossen, mich zu engagieren.

(Er kennt mich von einem Porträt, das letztes Jahr über mich erschien, und von dem Schreibwettbewerb des stern.)

Zu Ihrem Fehlverhalten mir gegenüber passt jenes Ihrer jungen Assistentin: Sie hat sich auf meine Entschuldigung hin bis heute nicht gemeldet, sodass meine Kritik an ihr zumindest teilweise berechtigt erscheint.

Ihre Zeitung wäre offenbar nicht das Richtige für mich gewesen. Gut, dass es so gekommen ist!

Mit finalem Gruß,

Dr. Zimmermann


Donnerstag, 2. November, 08:37 Uhr

Mail Dr. Zimmermann an Chefredakteur

„Identifizierende Hinweise [...]

Herr Chefredakteur,

ist das zu fassen? Und was sagt das über Ihre Psyche aus?

Gleich an Ihrem allerersten Arbeitstag in Norddeutschland veröffentlichen Sie unseren wenn nicht privaten, so doch internen ‚Federkrieg‘, wobei Sie ihn (durch Auslassungen) manipulieren und insbesondere (siehe Überschrift) identifizierende Hinweise eben nicht ausreichend geändert haben. [Erklärung, mit welchem Satz man ihn findet, Anm. d. Autors].

Damit haben Sie zweifelsfrei und eindeutig Ihre journalistische Sorgfaltspflicht verletzt und sich angreifbar gemacht. Ich werde mich also sowohl an den Verleger als auch an den Deutschen Presserat wenden und mich über Sie beschweren.

Auch unseren tragikomischen Fall dem SPIEGEL und / oder dem stern anzuvertrauen ist eine überlegenswerte Option.

Solche Geschichten gefallen deren LeserInnen.

Sie werden sich nur ein wenig gedulden müssen; für meine Schreiben lasse ich mir (anders als Sie) Zeit, sodass sie ‚wasserdicht‘ und effektiv sind. Es reicht, wenn einer von uns beiden sich der Lächerlichkeit preisgibt.

[...]

Nun bin ich überraschend wieder da (wobei Sie mich ‚verfolgen‘, nicht etwa ich Sie) und habe endlich eine Handhabe gegen Sie. Auf die weitere Entwicklung bin ich gespannt. Sie auch?

Dr. Zimmermann

PS: In dem Video über Ihren ersten Arbeitstag auf der Ostalb wirken Sie übrigens ganz unabhängig von unserer Auseinandersetzung auf mich äußerst unsympathisch. Ich bin mal gespannt, wie lange Sie sich im hohen Norden halten. Von der Ostalb haben Sie sich ja recht bald verabschiedet.

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